Gesundheit
Blut im Urin bei Pferden: Was steckt dahinter?
Entdeckst du roten oder braunen Urin bei deinem Pferd, ist das ein Signal, das du nicht ignorieren solltest. Blut im Urin – in der Fachsprache Hämaturie – kann auf verschiedene Erkrankungen hinweisen, von einer relativ harmlosen Blasenreizung bis hin zu einer ernsthaften Nierenerkrankung. In diesem Artikel erfährst du, welche Ursachen am häufigsten vorkommen, wie du sie erkennst und wann du sofort den Tierarzt anrufen musst.
Veröffentlicht: 5/24/2026
EquiSight Editorial
Redactie · EquiSight · SaFleu Equestrian Centre BV

Wie sieht Hämaturie genau aus?
Normaler Pferdeurin variiert von hellgelb bis dunkelgelb und kann durch Mukoproteine leicht trüb sein. Von Hämaturie spricht man, wenn eine deutlich rosa, rote oder sogar dunkelbraune Verfärbung sichtbar ist. Achte auch auf den Zeitpunkt, zu dem das Blut sichtbar wird: Am Beginn des Urinstrahls deutet das eher auf ein Problem in der Harnröhre oder dem vorderen Teil der Blase hin, während Blut im gesamten Strahl auf eine Erkrankung weiter oben in den Harnwegen hindeutet, beispielsweise in den Nieren oder der Blase. Erfasse Farbe, Zeitpunkt und Häufigkeit im Pferdedossier von EquiSight – diese Informationen sind für den Tierarzt äußerst wertvoll.
Die häufigsten Ursachen im Überblick
Im Folgenden sind die Ursachen aufgeführt, die Tierärzte in Deutschland am häufigsten bei Pferden mit Blut im Urin feststellen:
- Blasenentzündung (Zystitis): bakterielle Infektion, häufiger bei Stuten aufgrund der kürzeren Harnröhre.
- Harnwegssteine (Urolithiasis): Mineralablagerungen, die die Schleimhaut beschädigen; kommt sowohl bei Hengsten als auch bei Wallachen vor.
- Nierenentzündung oder Nierenschäden: können die Folge von Infektionen, Toxinen (z. B. Eichelblatt-Vergiftung) oder langfristiger NSAID-Anwendung sein.
- Muskelschäden (Myoglobinurie): Nach intensiver Belastung oder bei Azotämie färbt sich der Urin dunkelbraun – dies ist kein echtes Blut, sondern Myoglobin.
- Tumoren: selten, aber Blasen- oder Nierenkarzinome können bei älteren Pferden (>15 Jahre) auftreten.
- Trauma: Ein Sturz oder ein Schlag gegen die Bauchdecke kann Blase oder Harnröhre beschädigen.
Myoglobinurie: Nicht dasselbe wie Blut im Urin
Ein häufiger Irrtum ist es, Myoglobinurie mit Hämaturie zu verwechseln. Bei Azotämie – auch als 'Tying-up' bekannt – zerfallen Muskelzellen und das Protein Myoglobin gelangt in den Urin. Der Urin sieht dann dunkelbraun oder kaffeebraun aus, enthält aber keine roten Blutkörperchen. Das typische Bild ist leicht erkennbar: Das Pferd ist steif, schwitzt übermäßig und weigert sich manchmal nach einer Belastung zu bewegen. Myoglobinurie ist ein Notfall, da sie die Nieren schnell schädigen kann. Rufe sofort den Tierarzt an und sorge für Wasser und Ruhe. Mit dem EquiCoach in EquiSight kannst du Symptome beschreiben und schnell eine erste Einschätzung zur Dringlichkeit erhalten.
Wann solltest du sofort den Tierarzt anrufen?
- Der Urin ist klar rot und es ist viel Blut sichtbar.
- Dein Pferd zeigt neben der Verfärbung Koliksymptome.
- Das Pferd uriniert kaum oder scheint beim Urinieren Schmerzen zu haben.
- Es besteht Fieber (>38,5 °C) oder das Pferd wirkt apathisch.
- Der Urin ist nach einer Belastung dunkelbraun (Verdacht auf Myoglobinurie).
- Symptome dauern länger als 24 Stunden an oder verschlimmern sich.
Was unternimmt der Tierarzt bei der Diagnose?
Der Tierarzt beginnt mit einer Urinuntersuchung: Ein Teststreifen liefert innerhalb von drei Minuten Aufschluss über Blut, Eiweiß und pH-Wert. Die Mikroskopie zeigt, ob tatsächlich rote Blutkörperchen (Hämaturie) oder Myoglobin (Myoglobinurie) vorhanden sind. Blutwerte wie Kreatinin und Harnstoff geben Aufschluss über die Nierenfunktion. Bei Verdacht auf Steine oder einen Tumor folgt eine Ultraschalluntersuchung von Blase und Nieren. Die Diagnosestellung dauert bei Routineuntersuchungen im Durchschnitt ein bis drei Tage; bei komplexen Fällen länger. Notiere im Voraus alle Beobachtungen – Farbe, Zeitpunkt, Fütterung, Medikamente – im Pferdedossier, damit du beim Konsultationsgespräch nichts vergisst.
Ernährung und Management als Risikofaktoren
Die Ernährung spielt eine größere Rolle, als viele Pferdebesitzer denken. Ein zu hoher Kalziumgehalt in der Ration – beispielsweise durch viel Luzerne – erhöht das Risiko der Kristallbildung in der Blase. Unzureichende Wasseraufnahme ist ein bekannter Auslöser für Urolithiasis; Pferde trinken bei kaltem Wetter manchmal nur 20–25 Liter pro Tag statt der empfohlenen 30–50 Liter. Langfristige Anwendung von NSAIDs wie Phenylbutazon kann die Magenschleimhaut und die Nieren schädigen. Nutze den Kalender in EquiSight, um Medikamentenpläne zu verfolgen und rechtzeitig in Absprache mit deinem Tierarzt zu stoppen oder auszuschleichen.
- Begrenze Luzerne auf maximal 20–25 % der Raufutterration bei empfindlichen Pferden.
- Sorge im Winter für sauberes, lauwarmes Trinkwasser, um die Aufnahme zu fördern.
- Trage NSAID-Anwendungen immer mit Start- und Enddatum im Pferdedossier ein.
- Lass bei älter werdenden Pferden (>12 Jahre) jährlich die Blutwerte kontrollieren.
