Erkrankungen
Kopfschütteln durch Trigeminusreizung bei Pferden
Wirft dein Pferd seinen Kopf plötzlich und heftig nach oben oder zur Seite – beim Reiten oder sogar auf der Weide? Dann könnte eine Trigeminusreizung – auch als Headshaking-Syndrom bekannt – die Ursache sein. Diese Erkrankung betrifft schätzungsweise 1 von 50 Pferden und stellt sowohl für die Besitzer als auch für das Pferd eine erhebliche Herausforderung dar. Der Trigeminus ist der fünfte Hirnnerv und steuert das Gefühl im Gesicht, in der Nase und im Maul. Wird dieser Nerv überreizt, erlebt das Pferd brennende oder kribbelnde Schmerzreize, die es durch Schütteln zu lindern versucht. In diesem Artikel erfährst du, wie du die Erkrankung erkennst, welche möglichen Ursachen es gibt und welche Schritte du unternehmen kannst.
Veröffentlicht: 5/24/2026
EquiSight Editorial
Redactie · EquiSight · SaFleu Equestrian Centre BV

Wie erkennst du eine Trigeminusreizung?
Das auffälligste Zeichen ist eine plötzliche, unkontrollierbare Kopfbewegung: nach oben, unten oder seitlich schleudern. Dies unterscheidet sich vom bewussten Widersetzen gegen das Gebiss. Viele Pferde schnauben oder prusten dabei heftig, reiben ihre Nase am Bein oder am Boden und wirken kurzzeitig panisch. Die Anfälle dauern Sekunden bis Minuten und kehren immer wieder. Bei etwa 80 Prozent der Fälle verschlimmert sich die Beschwerde im Frühling und Sommer – was auf eine Lichtempfindlichkeit des Nervs hindeutet. Reiten bei hellem Sonnenlicht kann die Beschwerden verschlimmern, ebenso Wind im Gesicht oder Bewegung im Nasenloch.
Mögliche Ursachen im Überblick
Die genaue Ursache ist nicht immer festzustellen, aber eine Reihe von Faktoren spielt eine bekannte Rolle:
- Phototrigeminalgie: Überempfindlichkeit des Nervs gegenüber UV-Licht, die häufigste Form
- Allergie oder Heuschnupfen: Pollenkonzentrationen reizen die Nasenschleimhaut und den Nerv
- Zahnprobleme oder Gebissabnutzung, die Druck auf Nervenäste ausüben
- Mittelohrprobleme oder Nacken- und Kieferschmerzen, die in den Trigeminusast ausstrahlen
- Primäre idiopathische Neuropathie: keine eindeutige Ursache nach vollständiger Untersuchung gefunden
Diagnose: Wann zum Tierarzt?
Gehe bei wiederkehrenden Anfällen immer zuerst zum Tierarzt. Eine gute Diagnose erfordert den Ausschluss anderer Ursachen wie Zahnprobleme, Augenreizungen, ein schlecht sitzendes Sattel oder Gebiss. Der Tierarzt achtet auf den Zeitpunkt (saisonal?), den Kontext (beim Reiten, auf der Weide oder immer?) und führt eine neurologische Untersuchung durch. Blutuntersuchungen oder Allergiepanels können bei Verdacht auf eine Allergie sinnvoll sein. Halte deine Beobachtungen im Voraus fest, am besten im Pferdedossier in EquiSight, damit du dem Tierarzt ein vollständiges und übersichtliches Bild geben kannst. Datum, Dauer, Umstände und Häufigkeit sind entscheidende Daten.
Behandlungsoptionen und praktische Anpassungen
Es gibt keine universelle Lösung, aber Kombinationen von Maßnahmen helfen bei den meisten Pferden merklich:
- Nasennetz oder feinmaschige Fliegenmaske: hält Insekten und Pollen fern
- UV-schützende Fliegenmaske bei Phototrigeminalgie
- Reiten in den frühen Morgen- oder Abendstunden, um starkes Sonnenlicht zu meiden
- Gebissloses Reiten oder Wechsel zu einem weicheren, weniger kontaktintensiven Gebiss
- Cyproheptadin (Antihistaminikum): bei etwa 60 Prozent der Fälle messbare Verbesserung
- Melatonin-Ergänzungsmittel: helfen bei manchen Pferden, die Lichtempfindlichkeit zu dämpfen
- Physiotherapie oder Osteopathie bei Verdacht auf Nacken- oder Kieferdysfunktion
Monitoring ist bei diesem Syndrom unerlässlich
Trigeminusreizung ist unberechenbar: Das Pferd kann wochenlang kaum Beschwerden haben und dann plötzlich stark auf warmes, sonniges Wetter oder hohe Pollenkonzentrationen reagieren. Führe ein Tagebuch über die Anfälle, die Wetterbedingungen und eventuelle Behandlungen. Im EquiSight-Kalender kannst du Anfälle erfassen und mit Notizen zu Wetter und Aktivität verknüpfen. Nutze EquiCoach, um Muster zu erkennen – zum Beispiel ob die Anfälle mit bestimmten Tageszeiten oder Umgebungen zusammenhängen. Diese Erkenntnisse helfen dir, deinen Tagesablauf anzupassen und gemeinsam mit deinem Tierarzt den Behandlungsplan zu überarbeiten.
Was bedeutet das für Sport und Wohlbefinden?
Viele Pferde mit Trigeminusreizung können bei guter Betreuung und den richtigen Anpassungen normal bewegt und gearbeitet werden. Es ist jedoch wichtig, ehrlich hinsichtlich der Belastbarkeit zu bleiben: Ein Pferd, das sich mitten in einem Anfall befindet, kann nicht sicher geritten werden. Besprich mit deinem Trainer und Tierarzt, was realistisch ist. Manche Besitzer entscheiden sich für einen leichteren Sport oder mehr Arbeit in einer überdachten Reithalle. Das Wohlbefinden des Pferdes steht an erster Stelle – häufige, schwere Anfälle ohne Verbesserung erfordern eine Neubewertung des Behandlungsplans und manchmal auch der Rolle, die das Pferd noch erfüllen kann.
