Erkrankungen
Sehnenscheidenentzündung beim Pferd: Erkennen und behandeln
Eine Sehnenscheidenentzündung gehört zu den häufigsten Verletzungen bei Sportpferden und kann ein Pferd wochenlang bis monatelang aus dem Training heraushalten. Es handelt sich um eine Entzündung der Sehnenscheide oder der Sehne selbst, wobei Flüssigkeitsansammlung und Wärme die ersten Anzeichen sind. Je früher du eingreifst, desto geringer ist das Risiko bleibender Sehnenschäden. In diesem Artikel erfährst du, was eine Sehnenscheidenentzündung genau ist, welche Symptome du erkennst, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und wie du einen Rückfall verhinderst.
Veröffentlicht: 5/23/2026
EquiSight Editorial
Redactie · EquiSight · SaFleu Equestrian Centre BV
Was ist eine Sehnenscheidenentzündung?
Bei einer Sehnenscheidenentzündung entzündet sich die Sehnenscheide – die flüssigkeitsgefüllte Hülle rund um die Sehne. Dies unterscheidet sich von einem direkten Sehnenriss, kann aber dazu führen, wenn die Verletzung ignoriert wird. Die Entzündung entsteht meist durch Überlastung, eine plötzliche Fehlbewegung oder langes Arbeiten auf hartem oder unebenem Untergrund. Junge Pferde im Training sind besonders gefährdet, ebenso Pferde, die nach einer Ruhephase zu schnell zu stark belastet werden. Die Sehnenscheide füllt sich mit überschüssiger Gelenkflüssigkeit, was zur typischen Schwellung rund um die Sehne führt.
Symptome, die du sofort erkennst
- Warme, weiche Schwellung rund um die Sehne oder Sehnenscheide, häufig an den Hinterbeinen
- Lahmheit, die von kaum sichtbar bis deutlichem Hinken im Schritt reichen kann
- Schmerz bei leichtem Druck auf die betroffene Sehne
- Steifheit nach dem Stillstehen, die sich beim Bewegen manchmal bessert
- Sichtbare Schwellung, die nach Ruhe nicht vollständig verschwindet
Diagnose: mehr als nur Abtasten
Dein Tierarzt bestätigt die Diagnose mittels Ultraschall. Damit lässt sich feststellen, ob die Sehnenscheide nur Flüssigkeit enthält oder ob auch Faserschäden in der Sehne selbst vorliegen. Faserschäden erfordern eine längere Genesungszeit – rechne mit 3 bis 6 Monaten Ruhe gegenüber 4 bis 8 Wochen bei einer reinen Sehnenscheidenentzündung ohne Faserschäden. Manche Tierärzte kombinieren den Ultraschall mit einer Spülung der Sehnenscheide per Endoskop, wenn eine Infektion vermutet wird. Achte darauf, die Ultraschallbilder und den Diagnosebericht im Pferdedossier von EquiSight zu speichern, damit du den Fortschritt bei Folgeuntersuchungen gut vergleichen kannst.
Behandlungsmöglichkeiten im Überblick
Die Behandlung richtet sich nach der Schwere des Befundes. Leichte Fälle sprechen gut auf Ruhe und Kühlung an, schwerere Fälle erfordern medizinische Eingriffe.
- Sofortige Ruhe: mindestens 2 bis 4 Wochen Boxenruhe bei milder Entzündung
- Kühlen: Eispackungen oder Wasserkühlung 2 bis 3 Mal täglich, 20 Minuten pro Einheit
- NSAIDs: entzündungshemmende Mittel wie Phenylbutazon oder Meloxicam auf Verschreibung des Tierarztes
- Spülung oder Injektion: Bei schweren Fällen spült der Tierarzt die Sehnenscheide oder injiziert Kortikosteroide
- Kontrollierte Rehabilitation: schrittweiser Aufbau mit Hand- und Longenarbeit, bevor du wieder in den Sattel steigst
Rehabilitation: behutsamer Aufbau zahlt sich aus
Einer der häufigsten Fehler ist die zu frühe Rückkehr zur normalen Arbeit. Auch wenn das Pferd klinisch normal geht, ist die Sehne erst dann wirklich geheilt, wenn die Fasern im Ultraschall keine Auffälligkeiten mehr zeigen. Steigere die Belastung schrittweise: Beginne mit 10 Minuten täglichem Handschritt und füge wöchentlich 5 Minuten hinzu. Nach 6 Wochen ruhigem Handschritt kannst du zu kurzen Einheiten Longenarbeit im Schritt übergehen. Nutze den Kalender in EquiSight, um dein Reha-Schema festzuhalten und Erinnerungen für Ultraschall-Kontrolltermine einzustellen.
Rückfälle verhindern: praktische Tipps
- Wärme immer 10 bis 15 Minuten im Schritt auf, bevor du in Trab oder Galopp übergehst
- Trainiere möglichst auf weichem, ebenem Untergrund und schränke die Arbeit auf hartem Boden ein
- Verwende Beinschutz passend zu deiner Trainingsart: Bandagen oder Gamaschen für den Einsatz, nicht als dauerhafter Alltags-Standard
- Achte auf das Gewicht: Übergewicht erhöht die Sehnenbelastung erheblich
- Führe regelmäßige Ultraschallkontrollen bei Pferden mit Sehnenvorgeschichte durch
