Training
Pferd an der Hand führen lernen: So geht's
Ein Pferd, das ruhig und respektvoll an der Hand mitläuft, macht jeden Tag im Stall angenehmer – und sicherer. Dennoch ist das Führen etwas, das viele Pferde nie systematisch gelernt haben. Sie zerren, laufen auf die Fersen oder bleiben plötzlich stehen. In diesem Artikel erfährst du, wie du das Führen Schritt für Schritt beibringst, welche Hilfsmittel du benötigst und wie du häufige Fehler vermeidest. Ob du ein junges Pferd hast oder einen älteren Dickschädel, der immer seinen eigenen Weg ging: Mit dem richtigen Ansatz kommst du weit.
Veröffentlicht: 5/24/2026
EquiSight Editorial
Redactie · EquiSight · SaFleu Equestrian Centre BV

Warum Führen eine Grundfähigkeit ist
Führen wirkt einfach, ist aber eigentlich eine der grundlegendsten Übungen im Umgang mit Pferden. Ein Pferd, das gut an der Hand geht, ist leichter vom Tierarzt, Hufschmied und Zahnarzt zu behandeln. Außerdem legt es die Grundlage für alle weitere Ausbildung. Pferde, die schlecht an der Hand gehen, bereiten häufiger Probleme beim Satteln, beim Verladen und im täglichen Umgang. Untersuchungen zeigen, dass Pferde, die frühzeitig auf Basis klarer Kommunikation und Konsequenz trainiert werden, auch später neue Fähigkeiten schneller erlernen. Führen ist also keine Nebensache – es ist der Ausgangspunkt.
Material und Vorbereitung
Du brauchst nicht viel, um anzufangen, aber die Qualität deines Materials zählt durchaus:
- Ein gut sitzendes Halfter – ein schlecht sitzendes Halfter sendet unklare Signale
- Ein Führstrick von mindestens 2,5 Metern, vorzugsweise aus Seil (kein Nylonband, das in die Hand schneidet)
- Feste Reitstiefel oder Sicherheitsschuhe – niemals Sandalen oder Flip-Flops
- Ein ruhiger, abgeschlossener Bereich wie eine Reithalle oder ein Paddock von maximal 20x20 Metern
- Optional: ein Clicker, wenn du mit positiver Verstärkung arbeitest
Schritt für Schritt: die ersten Lektionen
Beginne in einem kleinen, ruhigen Bereich ohne Ablenkungen. Stehe neben der Schulter deines Pferdes, niemals davor oder dahinter. Halte den Strick mit der rechten Hand etwa 30 cm vom Halfter entfernt, den Rest locker in der linken. Tritt selbst einen Schritt vor und gib gleichzeitig ein leises Schnalzen mit der Zunge oder ein einzelnes Kommando wie 'vorwärts'. Reagiert dein Pferd nicht? Gib einen leichten Druck auf den Strick – niemals zerren. Läuft dein Pferd mit, belohne es sofort mit der Stimme ('brav') oder einem Clicker. Wiederhole dies 5 bis 10 Mal pro Einheit von maximal 15 Minuten. Kurze, positive Einheiten wirken besser als lange, frustrierende. Baue danach erst längere Linien, Kurven und Haltemomentte ein.
Häufige Fehler beim Führen
- Am Kopf zerren: Das löst Gegendruck aus und bringt dem Pferd gerade bei zu zerren
- Zu schnell in Außenbereiche mit vielen Reizen wechseln
- Inkonsistenz: an einem Tag auf Kommando anhalten, am nächsten nicht
- Zu lange Einheiten, durch die Pferd und Begleiter frustriert werden
- Belohnen zum falschen Zeitpunkt, sodass das Pferd etwas anderes belohnt sieht als beabsichtigt
Anhalten und Rückwärtsgehen üben
Anhalten ist die zweite Grundübung, die direkt zum Führen gehört. Sage deutlich 'halt' und höre selbst auf zu laufen. Gibt dein Pferd leichten Druck auf den Strick, um stehenzubleiben, belohne es, sobald es kurz stillsteht – auch wenn es nur zwei Sekunden sind. Baue dies langsam auf bis zu 10 bis 20 Sekunden aus. Das Rückwärtsgehen kommt danach: Nutze eine leichte Wippbewegung nach hinten am Strick und bewege dich bei Bedarf selbst leicht auf das Pferd zu. Viele Pferde spüren das schnell. Halte deinen Fortschritt im Pferdedossier von EquiSight fest, damit du nach einigen Wochen nachsehen kannst, was bereits klappt und was noch Aufmerksamkeit erfordert.
Aufbau nach draußen und in der Gruppe
Wenn dein Pferd drinnen konsistent reagiert, gehst du schrittweise nach draußen. Beginne auf vertrautem Gelände, zum Beispiel dem Weg zur Weide. Meide unruhige Situationen, bis das Pferd dir auch bei Ablenkung vertraut. Lass dein Pferd neue Situationen erkunden, ohne dass es dich mitreißt. Nutze EquiCoach, um gezielte Übungen abzurufen, die zum Niveau deines Pferdes passen, oder frage nach einem Aufbauplan über 4 bis 6 Wochen. Bei jungen Pferden von 1 bis 2 Jahren ist es sinnvoll, Führlektionen immer mit etwas Positivem zu verbinden: eine kurze Weidezeit oder eine Handvoll Heu im Anschluss.
Planung und Konsequenz im Blick behalten
Drei kurze Einheiten pro Woche von je 10 bis 15 Minuten sind effektiver als eine lange Lektion am Samstag. Trage deine Trainingseinheiten in den Kalender von EquiSight ein, damit du sie nicht vergisst und auch siehst, wenn du eine Woche ausgelassen hast. Notiere nach jeder Einheit kurz, was gut lief und was nicht. Pferde lernen durch Wiederholung und Vorhersehbarkeit – je konsequenter du bist, desto schneller versteht dein Pferd, was von ihm erwartet wird.
