Pflege
Pferd scheren: Wann macht man es und wie geht man vor
Ein Pferd mit dichtem Winterfell, das intensiv trainiert wird, schwitzt schnell übermäßig und trocknet nur schwer ab – das erhöht das Risiko für Erkältungen und Hautprobleme. Scheren ist dann kein Luxus, sondern eine praktische Maßnahme. Dennoch gibt es viele Fragen: Wann beginnt man, welche Scheermethode passt zu deinem Pferd und wie versorgst du das geschorene Pferd danach richtig? In diesem Artikel findest du eine klare Übersicht über den richtigen Zeitpunkt, die gängigsten Scheermethoden und die praktischen Dos und Don'ts – damit dein Pferd komfortabel durch die Saison kommt.
Veröffentlicht: 5/23/2026
EquiSight Editorial
Redactie · EquiSight · SaFleu Equestrian Centre BV
Warum Scheren dein Pferd besser leisten lässt
Pferde, die regelmäßig trainiert werden, erzeugen viel Körperwärme. Ein dichtes Winterfell hält diese Wärme zurück, wodurch das Pferd schnell überhitzt und übermäßig schwitzt. Das kostet Energie, verlängert die Abkühlzeit nach dem Reiten – manchmal mehr als eine Stunde – und erhöht das Risiko für Muskelprobleme oder Lungenentzündungen durch Auskühlen. Indem man (einen Teil des) Fells abschert, reguliert man die Körpertemperatur besser, trocknet das Pferd schneller ab und hält es mit weniger Aufwand fit. Pferde, die leicht oder gar nicht trainiert werden, können das Fell als zusätzlichen Schutz behalten.
Der richtige Zeitpunkt: Das Timing bestimmt das Ergebnis
Die klassische Scheersaison läuft von September bis Februar. Die meisten Pferdebesitzer scheren zum ersten Mal im Oktober, wenn das Winterfell gut gewachsen ist, aber noch nicht vollständig ausgereift. Nach dem ersten Scheren wächst das Fell durchschnittlich in 6 bis 8 Wochen wieder nach. Plane entsprechend: Ein zweites Scheren im Dezember oder Januar ist bei aktiv genutzten Pferden völlig normal. Höre spätestens Ende Februar mit dem Scheren auf, damit das Sommerfell ungestört nachwachsen kann. Zu spätes Scheren stört den natürlichen Fellwechsel. Nutze den Kalender in EquiSight, um deine Scheittermine zu planen und Erinnerungen zu setzen.
Fünf gängige Scheermethoden erklärt
Nicht jede Methode passt zu jedem Pferd oder jeder Nutzungssituation. Dies sind die häufigsten Optionen:
- Vollständige Schur: gesamter Körper kahl, geeignet für intensiv arbeitende Pferde, die viel schwitzen; erfordert immer eine Decke.
- Blanket Clip: Bauch, Hals und Kopf geschoren, Rücken und Hinterhand frei; beliebter Mittelweg für Pferde, die 4–6 Tage pro Woche im Training sind.
- Strip Clip: nur ein Streifen entlang der Bauchlinie und des Halses; für leicht trainierte Pferde oder als erstes Mal scheren.
- Trace Clip (Irischer Clip): tiefer Hals, Schultern und Bauch geschoren; bietet mehr Schutz als ein Strip Clip, aber weniger als ein Blanket Clip.
- Chaser Clip: ähnlich wie der Trace Clip, aber höher am Rumpf; geeignet für Cross- und Geländereiten.
Material und Vorbereitung: Das brauchst du
Gutes Material macht die Arbeit deutlich einfacher und angenehmer für dein Pferd.
- Professionelle Schermaschine mit mindestens 200 W Leistung für ein gleichmäßiges Ergebnis.
- Scharfe, gut geölte Messer – stumpfere Messer ziehen am Fell und reizen die Haut.
- Scherseife oder Talkumpuder, um das Fell vor dem Scheren zu reinigen und aufzulockern.
- Gummihandschuh bei Verwendung eines elektrischen Geräts.
- Decke bereitlegen: Direkt nach dem Scheren benötigt dein Pferd je nach Methode eine leichte oder schwere Fliegendecke oder Winterdecke.
Schritt für Schritt: So scherst du dein Pferd
Beginne mit einem gründlich gepflegten, trockenen Pferd. Zeichne die Linien deiner gewählten Scheermethode mit Kreide oder Klebeband an, damit beide Seiten symmetrisch werden. Schere immer gegen die Haarwuchsrichtung für ein gleichmäßiges Ergebnis. Arbeite in geraden Bahnen und überlappe leicht, um Streifen zu vermeiden. Prüfe regelmäßig, ob die Messer nicht zu heiß werden – eine Temperatur über 50 °C ist unangenehm für dein Pferd und schädigt die Haut. Kühle die Messer mit Sprühöl oder einem sauberen Tuch ab. Die Haut anschließend mit einem pflegenden Öl oder einer Lotion einzureiben ist optional, aber angenehm, besonders bei trockener Haut.
Decke, Fütterung und Pflege nach dem Scheren
Ein geschorenes Pferd kann seine Körpertemperatur weniger gut regulieren und benötigt daher immer Decken, sowohl im Stall als auch draußen. Als Faustregel gilt: Je mehr Fell du abgeschoren hast, desto schwerer muss die Abdeckung bei Kälte sein. Bei Temperaturen unter 5 °C benötigt ein vollständig geschorenes Pferd eine Kombination aus Stalldecke und Außendecke. Auch die Fütterung spielt eine Rolle: Der Körper verbrennt mehr Kalorien, um warm zu bleiben. Erhöhe bei Bedarf die Raufuttergabe – Raufutter wärmt von innen. Speichere Gesundheits- und Gewichtsdaten im Pferdedossier von EquiSight, damit du schnell einen Überblick hast, wie dein Pferd durch den Winter kommt.
