Training

Schritt oder Trab: Was baut wirklich Kondition auf?

Wenn es um Konditionsaufbau geht, denken viele Reiter sofort an lange Trabstrecken. Das ist verständlich, denn der Trab fühlt sich intensiv und aktiv an. Doch der Schritt spielt eine mindestens ebenso wichtige Rolle in einem guten Trainingsplan. Die Frage ist nicht, welche Gangart besser ist, sondern wann du welche Gangart für den gewünschten Effekt einsetzt. Dieser Artikel erklärt, wie Schritt und Trab auf unterschiedliche Weise zur körperlichen Kondition deines Pferdes beitragen und wie du beide clever kombinierst.

Veröffentlicht: 5/24/2026

EquiSight Editorial

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Redactie · EquiSight · SaFleu Equestrian Centre BV

Schritt oder Trab: Was baut wirklich Kondition auf? — illustratie bij EquiSight Training

Was Konditionsaufbau wirklich bedeutet

Kondition ist mehr als Ausdauer. Es geht um das Zusammenspiel von Herz- und Lungenkapazität, Muskelkraft, Sehnenbelastbarkeit und Erholung nach Anstrengung. Ein gut trainiertes Pferd erholt sich schneller, ermüdet langsamer und bewegt sich effizienter. Konditionsaufbau erfordert eine schrittweise Belastungssteigerung: Du trainierst den Körper, indem du ihn immer etwas mehr belastest als gewohnt, gibst ihm aber auch die Zeit, sich zu erholen und anzupassen. Dieses Prinzip gilt sowohl für Schritt als auch für Trab.

Was der Schritt für dein Pferd bewirkt

Der Schritt ist eine Viertakt-Gangart ohne Schwebephase, was bedeutet, dass das Pferd immer mindestens ein Bein am Boden hat. Dadurch ist die Belastung für Gelenke und Sehnen vergleichsweise gering. Dennoch ist Schrittarbeit alles andere als passiv. Ein aktiver, durchgehender Schritt am langen Zügel stimuliert die Rückenmuskulatur, fördert die Durchblutung und hilft, Lymphflüssigkeit besser zu zirkulieren. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass 20 Minuten aktive Schrittarbeit die Herzfrequenz auf 60–80 Schläge pro Minute anhebt – genug für einen aeroben Trainingsreiz bei Pferden mit geringer Grundkondition oder in Erholungsphasen. Für junge Pferde oder Pferde, die nach einer Verletzung zurückkehren, ist langanhaltende Schrittarbeit daher ein sicherer und effektiver Ausgangspunkt.

Wann der Schritt bevorzugt werden sollte

  • In der Aufbauphase nach Ruhe oder Verletzung (mindestens 4–6 Wochen, bevor intensives Trabtraining hinzugefügt wird)
  • Als Aufwärmen: 10–15 Minuten Schritt, bevor du mit dem Trabtraining beginnst
  • Als Abkühlen: mindestens 10 Minuten Schritt nach intensiver Arbeit, um die Muskeln langsam abzukühlen
  • Bei Hitze oder hoher Luftfeuchtigkeit, wenn Trab schnell zur Überhitzung führt
  • Für Pferde mit Sehnenbandproblemen oder leichter Arthrose als belastungsarme Trainingsalternative

Was der Trab für die Kondition bewirkt

Der Trab ist eine Zweitakt-Gangart mit einer Schwebephase und fordert Herz, Lungen und Muskeln erheblich mehr als der Schritt. Bei einem Arbeitstempo von 13–16 km/h steigt die Herzfrequenz auf 120–160 Schläge pro Minute, was in den aeroben Trainingsbereich fällt. Das ist genau der Bereich, in dem du Herz und Lungen trainierst, ohne die Laktatsschwelle zu überschreiten. Regelmäßiges Traben von 20–30 Minuten in diesem Tempo baut nachweislich Ausdauer auf. Die Schwebephase im Trab trainiert außerdem die Bauch- und Rückenmuskulatur intensiver als der Schritt, was zu einer stärkeren Oberlinie beiträgt.

Praktischer Aufbau: ein Wochenbeispiel

Ein effektiver Grundplan für ein Pferd, das nach dem Winter wieder in Training gebracht wird, sieht folgendermaßen aus:

  • Woche 1–2: 4 x pro Woche 30 Min. aktiver Schritt, mit leichter Hügelarbeit wenn möglich
  • Woche 3–4: 3 x Schritt (30 Min.) + 2 x Schritt-Trab-Kombination (20 Min. Schritt, 10 Min. Trab in kurzen Intervallen von 3–5 Min.)
  • Woche 5–6: 2 x reines Schritttraining + 3 x Trabtraining mit Steigerung auf 20–25 Min. aktives Trabtempo
  • Woche 7+: Anpassen anhand von Herzfrequenz, Erholungsgeschwindigkeit und Kondition des Pferdes

Herzfrequenzmessung macht den Unterschied

Eindruck und Intuition sind hilfreich, aber ein Herzfrequenzmesser liefert dir objektive Daten. Ein Pferd, das nach 15 Minuten Trab bereits eine Herzfrequenz von 180 hat, hat seine aerobe Zone überschritten und baut eher Ermüdung auf als Kondition. Strebe eine Arbeitsherzfrequenz von 120–150 Schlägen pro Minute für den aeroben Konditionsaufbau an. Nach der Belastung sollte die Herzfrequenz innerhalb von 10 Minuten wieder unter 60–70 liegen. Trage diese Werte in das Pferdedossier von EquiSight ein, damit du den Fortschritt von Woche zu Woche vergleichen und deinen Trainingsplan objektiv anpassen kannst.

Häufiger Fehler: zu schnell zu mehr Trab

Der häufigste Fehler ist das Überspringen der Schrittphase. Pferde, die direkt nach einer Ruhepause intensiv getrabt werden, bauen Muskeln auf, vernachlässigen aber Sehnen und Gelenkbänder – diese trainieren langsamer und benötigen mehr Zeit. Sehnen und Bänder werden durch langsame, wiederholte Belastung bei niedriger Intensität gestärkt. Genau das leistet der Schritt. Rechne damit, dass Sehnen und Bänder 6–8 Wochen brauchen, um sich an neue Trainingsbelastungen anzupassen, während Muskeln das bereits nach 2–3 Wochen tun.

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