Zucht
Fohlenversorgung im ersten Monat: Was du wissen musst
Die ersten vier Wochen nach der Geburt sind entscheidend für die Gesundheit und Entwicklung eines Fohlens. In dieser Zeit legt es die Grundlage für ein starkes Immunsystem, eine gute Beinstellung und soziales Verhalten. Als Besitzer oder Stallprofi möchtest du genau wissen, was du wann tust – von der ersten Kolostralmilch bis zur ersten Entwurmung. Dieser Artikel gibt dir einen praktischen Überblick über die Versorgung im ersten Monat, mit konkreten Zeitplänen und wichtigen Hinweisen.
Veröffentlicht: 5/23/2026
EquiSight Editorial
Redactie · EquiSight · SaFleu Equestrian Centre BV
Die ersten Stunden: Kolostralmilch und Aufstehreflex
Innerhalb von zwei Stunden nach der Geburt muss ein Fohlen stehen und trinken. Die Kolostralmilch – die erste Milch der Stute – enthält essentielle Antikörper, die das Fohlen schützen, bis sein eigenes Immunsystem einsatzbereit ist. Der Darm kann diese Antikörper nur während 12 bis 24 Stunden aufnehmen, daher ist das Timing entscheidend. Überprüfe, ob das Fohlen aktiv trinkt: Ein gesundes Fohlen trinkt alle 30 bis 60 Minuten. Steht das Fohlen nach zwei Stunden noch nicht, oder trinkt es nicht, ruf sofort den Tierarzt. Bewahre im Zweifelsfall eingefrorene Spenderkolostralmilch im Gefrierschrank auf – 500 ml pro Portion ist eine praktische Menge.
Erste 24 Stunden: die Basis-Checkliste
Am ersten Tag überprüfst du eine Reihe von Punkten schnell, aber gründlich.
- Nabelschnur: Desinfiziere den Nabel innerhalb der ersten Stunde mit Jodlösung (10%)
- Mekonium: Das Fohlen muss innerhalb von 3 bis 6 Stunden den ersten schwarzen Kot absetzen – gelingt dies nicht, ist ein Einlauf erforderlich
- Atmung und Herzschlag: Normal sind 60 bis 80 Schläge pro Minute in Ruhe
- Augenlider: Auf Entropium (eingerolltes Augenlid) prüfen, ein häufiges Problem bei neugeborenen Fohlen
- Gelenke und Beinstellung: Auf durchgesackte Fesselgelenke achten – dies korrigiert sich oft von selbst, sollte aber beobachtet werden
Woche 1 bis 2: Routine und soziale Entwicklung
Nach den ersten kritischen Stunden verlagert sich der Schwerpunkt auf die tägliche Beobachtung und die Gewöhnung an Menschen. Behandle das Fohlen täglich: Hebe die Hufe auf, berühre Ohren und Maul, und führe es kurz am Halfter. Je früher das Fohlen an menschlichen Kontakt gewöhnt wird, desto leichter verläuft das spätere Training. Sorge dafür, dass das Fohlen stets gemeinsam mit der Stute nach draußen kann – Bewegung fördert den Knochenaufbau. Die Stute produziert in den ersten Wochen bis zu 15 Liter Milch pro Tag; überprüfe ihr Euter täglich auf Wärme oder Verhärtung als Zeichen einer Mastitis.
Woche 3 bis 4: Gesundheitscheck und Registrierung
Rund um Tag 21 planst du einen ersten offiziellen Tierarztbesuch für einen allgemeinen Gesundheitscheck ein. Dies ist auch der Zeitpunkt für die erste Entwurmung mit einem fohlentauglichen Präparat auf Fenbendazol-Basis. Lass gleichzeitig das Blut auf IgG-Werte untersuchen, falls du das in den ersten 24 Stunden nicht getan hast – ein Wert unter 4 g/l weist auf eine unzureichende Kolostralmilchaufnahme hin. Vergiss auch die Registrierung nicht: In Deutschland muss ein Fohlen spätestens am Tag 30 beim Zuchtverband zur Kennzeichnung und für den Pass angemeldet werden. Halte alle Befunde im Pferdedossier von EquiSight fest, damit du später alles schnell wiederfindest.
Fütterung: Wann beginnt man mit Raufutter?
Ein Fohlen beginnt bereits ab Woche 2 bis 3, mit Gras und Heu zu experimentieren. Dies ist normales Verhalten und Teil der Darmreifung. Biete sauberes, feines Heu an, das auch die Stute bekommt, aber erzwinge nichts. Milchaustauscher ist nur notwendig, wenn die Stute zu wenig produziert oder ausgefallen ist. Verwende dann ein fohlenspezifisches Milchpulver und verabreiche kleine Portionen: maximal 1 Liter pro Mahlzeit, verteilt auf 6 bis 8 Fütterungen pro Tag. Ab Woche 4 kannst du mit einer kleinen Menge Fohlenpellets beginnen – maximal 100 bis 200 Gramm pro Tag als Ergänzung.
EquiSight für den Überblick und Erinnerungen nutzen
Ein Fohlen erfordert im ersten Monat viel Aufmerksamkeit, und die Zeitpunkte, an denen du handeln musst, sind zeitkritisch. Nutze den Kalender in EquiSight, um Erinnerungen für die Nabeldesinfektion, die erste Entwurmung an Tag 21 und die Registrierungsfrist an Tag 30 einzustellen. Speichere alle Beobachtungen, Gewichte und Tierarztbefunde im Pferdedossier – so baust du sofort eine vollständige Akte auf, die du bei etwaigen Verkaufsinformationen oder medizinischen Fragen stets griffbereit hast. EquiCoach hilft dir außerdem bei spezifischen Fragen zu Symptomen oder Fütterungsempfehlungen auf Basis von Alter und Gewicht.
